Themen

Zentraler Gottesdienst zum Reformationstag
mit Predigt von Susanne Breit-Keßler, Regionalbischöfin von München und Oberbayern

Wie geht Kirche? Soli Deo Gloria!
Von Pfarrer Andreas Ebert

Und die Welt steht still
Letzte Lieder und Geschichten. Konzert mit dem Christophorus Hospiz

Gemeindebrief online

Zentraler Gottesdienst zum Reformationstag mit Predigt von Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler

Am 31. Oktober 2017 feierte die evangelische Kirche 500 Jahre Reformation. Den Höhepunkt des Festes in München bildete der zentrale Reformationsgottesdienst in St. Lukas. Den Gottesdienst mit dem Titel "Evangelisch sein – mit allen Sinnen und dem Verstand" feierten Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, Stadtdekanin Barbara Kittelberger und Pfarrer Helmut Gottschling.

Das Programm des Gottesdienstes finden Sie hier:

Die Predigt der Regionalbischöfin finden Sie hier zum Nachlesen und können sie auch als PDF herunterladen:

Liebe festliche Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder!

Nomen est omen, der Name hat eine Vorbedeutung. So sagt man. Das gilt etwa für Vornamen, die Eltern ihren Kindern mitgeben und darauf hoffen, dass Siegfried ein Held und Jaqueline die Frau eines reichen Reeders wird. Kevin soll es zuhause auch allein schaffen und Celine zwar toll singen, aber möglichst nicht mit einem Schiff untergehen. Natürlich gibt es auch kleinräumigere Lösungen wie Susanne, von der man vielleicht bloß erwartet, dass sie lernt, sich durchzusetzen. Wie auch immer.

Wir feiern Reformationstag in einem Jahr, dem vorab und während der vergangenen Monate verschiedene Namen gegeben wurden und noch werden. 2017: Lutherjahr. Reformationsjubiläum. Christusjahr. Alle diese Namen drücken etwas aus davon, was wir mit Reformation und den Einsichten des Reformators Martin Luthers verbinden. Und ich sage gleich, dass alle Einiges für sich haben, vor allem, wenn man gründlich nachdenkt, statt sich in argumentationsfreier Emotionalisierung zu üben.

Fangen wir mit Lutherjahr an. Vermutlich wäre der Reformator mit diesem Namen am wenigsten einverstanden. Heldenverehrung war ihm gerade fremd. Er war skrupulös und grüblerisch, zermarterte sich sein Gehirn, was fast als protestantische Genbestimmung bezeichnet werden kann. Er war ein „german Tiefdenker“ wie der amerikanische Soziologe Peter L. Berger uns beschreibt. Für sein freimütiges Bekenntnis, für die Weigerung, theologische Grundeinsichten zu widerrufen, hat Luther sein Leben riskiert.

Lutherjahr. Warum nicht! Er war es doch, der höchst modern darauf hingewiesen hat, dass man sich selbst nicht entkommt und sich auch - ja, verdammt nochmal - nicht freikaufen kann von eigener Verantwortung, nicht aus eigener Kraft loskommt vom Sosein. Er schrieb und predigte um sein und unser Leben. Luther gab alles, damit wir nicht verloren gehen in Kämpfen und Krämpfen, um gut dazustehen und uns der Welt und dem lieben Gott angenehm und passend zu machen.

Stocksauer war er darüber, dass sich Gläubige mit dem Ablass freikaufen können sollten. Wer nicht zahlte, durfte schon mal mit Fegefeuerqualen rechnen. Da stimmt das Sprichwort „ wer die Wahl hat“ - und nicht blecht - „hat die Qual“. Die vollkommen verkommene mittelalterliche Kirche bot ein Rundum-Sorglos-Paket an: Man konnte Ablass kaufen für begangene wie zukünftige Sünden und die der verstorbenen Angehörigen. Und das alles, dieser ganze Heidenspaß, für eine Gebäudesanierung in Rom.

Ein einziges Mönchlein hat den Mut, dagegen aufzustehen. Das kann man gar nicht hoch genug schätzen. Und eben nicht, um sich wichtig zu machen. Sondern weil er sich schon halbe Ewigkeiten mit der Frage „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ herumschlug und Antworten fand. Er hatte Übung darin, Germanys Next Top Monk zu werden - indem er durch selbst auferlegte Gebote und Verbote, Verhaltensregeln und Gehorsam die Selbstvervollkommnung anstrebte.

Luther trieb es auf die Spitze, indem er viel öfter zur Beichte ging als es die Ordensregeln vorsahen. In seinem Perfektionismus ähnelt Luther dem Apostel Paulus, der auch keine halben Sachen macht. Wenn er die Christen verfolgt, dann stellt er ihnen unbarmherzig nach. Wenn er Christus nachfolgt, dann in aller Konsequenz und ohne Rücksicht auf die Gefahr, die das für sein Leben bedeutet. Luther wird angetrieben durch die Angst vor Gott, der ihn für seine Sünden strafen würde, gequält von seiner Angst, nicht zu genügen.

  • Foto: ELKB/Joh. Minkus

  • Foto: ELKB/Joh. Minkus

  • Foto: ELKB/Joh. Minkus

Vielen Menschen geht es heute so, auch wenn sie nicht vor Gott sich fürchten, sondern vor dem Urteil der Umwelt. Unbegabt, dick, die falsche Schuh- und Jackenmarke, alt, Falten, obdach- und arbeitslos, Wirtschaftsmigrant, behindert, dement, genetisch defekt .... nicht immer und überall, aber doch zu oft sind das Ausschlusskriterien einer Gesellschaft, die ihre Ablässe munter weiter verkauft, damit die Jungen, Schönen und Erfolgreichen in der ersten Reihe sitzen und der Rest bestenfalls Stehplätze bekommt.

Lutherjahr. Er verstand, dass die Gerechtigkeit Gottes darin besteht, dass er uns voraussetzungslos liebt. Er gibt alles, gibt sich hin, lässt sich martern und töten, damit klar wird: Gott ist ein naher Gott, ein distanzloser, der nicht aus der Ferne verehrt, sondern in der Nähe geliebt werden will. Der sich und anträgt, damit wir ihm nicht vortragen müssen, was wir alles geleistet haben. Gott ist für Luther keine Angstvision mehr, sondern Hoffnungsbild. Er macht mich zu dem, was ich sein darf: Ein aufrechtes, geliebtes Menschenkind.

Die Lebenskraft, die Gott mir schenkt, kann ich durch keine spirituellen Fitnessübungen erzwingen, die Weisheit, die Gott mir verleiht, nicht durch intellektuelle Gebetsseminare erwerben. Ich kann und brauche nichts dazu tun, dass Gott mich trotz meiner Sünden, meiner Verdrehtheit liebevoll in den Arm nimmt. Er tut es, weil er es will. Einfach so akzeptiert. Einfach so geliebt. Das hat Martin Luther uns auch heute noch zu sagen. Wir können es gar nicht oft und laut genug wiederholen.

Unsere Gesellschaft ist auf Leistung hin orientiert, nicht auf Rechtfertigung. Andersrum wäre es geistvoller. Einfach spielen als Kind, statt gleich ein emotionales, motorisches und intellektuelles Programm dabei zu absolvieren. Frei haben, um sich auszutoben, statt nach Kindergarten oder Schule Ballett, Yoga oder Chinesisch zu lernen. Zufrieden sein mit der erreichten Position statt angetrieben zu werden, Karriere zu machen. Sich freuen an dem, was man hat, statt nach scheinbaren Statussymbolen zu schielen.

Natürlich ist es schön, wenn man sich mit seinen Gaben fabelhaft entwickelt, Förderung bekommt, irgendwann viel kann und weiß, etwas vorzuweisen hat. Aber zuerst muss man doch als Kleiner und Großer spüren, fühlen, wissen dürfen, dass man auch ohne alles das gewollt und geliebt ist! Dass man ein wunderbares Gottesgeschöpf ist auch mit seelischem oder körperlichem Weh, mit gescheiterten Plänen und geplatzten Träumen. Luther schreibt: „Die Liebe Gottes findet das für sie Liebenswerte nicht vor, sondern erschafft es.“

Grund zum Jubilieren! Reformationsjubiläum. Bei diesem Namen zuckt mancher erschreckt zusammen. Die, die mehr an Kirchenspaltung denken als an die Rückgewinnung biblischer Einsichten, mögen das Wort Jubiläum nicht. Ich verstehe das, ich mag es trotzdem auch. Denn es ist Grund zur Freude, dass wir mit der Rechtfertigung allein aus Gnaden auch die Botschaft mitbekommen haben, dass die Kirche eine ist, die man getrost immer wieder verändern darf und muss. Ecclesia semper reformanda.

Der Gott, den Luther in Erinnerung rief, ist einer, der dynamisch, der mit uns in Bewegung ist. Er spielt nicht mit uns, kein Roulette, bei dem es "rien ne va plus" heißt. Nichts geht mehr. Deswegen werde ich auch so zornig, wenn in der Kirche Untergangsszenarien an die Wand gemalt werden - immer weniger Mitglieder, immer weniger Geld, immer weniger Einfluss... Diese selbstmitleidigen Unkenrufe sind blasphemisch. Sie sind gottlos. „Du bist es nicht, der die Kirche erhält“ sagt Luther. Gott ist es.

Und wir sollten ihm, der die dynamis, die Kraft des Geistes selbst ist, einfach alles zutrauen. So interessant demographische Entwicklungen und Steuerschätzungen sind, Gott ist mehr. Und wir, die er liebt über den Tod hinaus, wir sollten nicht herumsitzen und heulen, weil alles angeblich schlechter wird. Hinaus in die Welt, munter, fröhlich und entschlossen den Glauben gelebt. Dort kritisch sein und den Mund aufmachen, wo es nötig ist. Anpacken, helfen, wo Menschen Unterstützung brauchen. 

  • Foto: ELKB/Joh. Minkus

  • Foto: ELKB/Joh. Minkus

  • Foto: ELKB/Joh. Minkus

  • Foto: privat/D. Stachowitz

  • Foto: privat/D. Stachowitz

  • Foto: St. Lukas/E. Beimes

  • Foto: St. Lukas/E. Beimes

  • Foto: St. Lukas/E. Beimes

Ein andermal Feste feiern in des Wortes doppelter Bedeutung. Wer, wenn nicht wir, sollte positive, tapfere, zuversichtliche, getroste Ausstrahlung haben! "Ich will leben und ihr sollt auch leben" sagt Jesus. Wer daran festhält, der holt daraus den langen Atem der Geduld, hält durch und bleibt mit Gott in Bewegung. Scheitern, Fehlschläge gehören zum Leben dazu. Wer aber Träume unterdrückt und Hoffnungen verhindert, bis sie unmöglich geworden sind, der trampelt alles an Gott gegebenen Möglichkeiten kaputt.

Das meint Jesus wohl, wenn er sagt: "alle Sünde und Lästerung wird dem Menschen vergeben, aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben" (Mt 12,31). Wer Gott nichts mehr zutraut, wer sich und andere, wer die Kirche aufgibt, der findet keine Vergebung, der kriegt keine Chance zu einem Neuanfang. Das ist nicht moralisch, sondern lebensnah. Es ist dumm, dem göttlichen Geist zu misstrauen, der unabhängig von uns weht, wo er will, der pure Freiheit als Kontrast zu unserer zeitweisen Enge und Begrenztheit ist.

Dumm, über diesen Geist zu spotten, ihn abzutun – wird eh nix!, no way, no chance -, dann sehen wir bald wirklich alt aus. Wer das für unmöglich hält, dem wird das nicht vergeben, das heißt, er straft sich selber damit. Das fängt schon an, wenn man sich immer nur das Allerschlimmste ausmalt, sich den wildesten Ängsten hingibt, – um dann irgendwann zu merken, dass man so kostbare Lebenszeit vertan hat. Und wer will schon zu einer Kirche gehören, in der die Jammerlappen das Sagen haben.

Reformationsjubiläum. Semper reformanda, die Kirche ist es und darf es sein - genau so, wie wir selbst. Runderneuerung ohne Skalpell und Spritzen - wir leben davon, dass es sie gibt: Zunächst noch ungeahnte Möglichkeiten und Chancen, sich und die Verhältnisse zu ändern, zum Besseren zu wenden. Menschen, die über das semper reformanda jubilieren, halten ihr Leben und diese Welt nicht für erträglich. Im Gegenteil: Wer mit starkem Rückenwind aus dem Reich göttlicher Phantasie rechnet, wird sensibler für Nöte.

Er bewegt sich, betrachtet das Leben aus einem neuen Blickwinkel heraus, spürt frische Energie und fasst wieder Mut. Semper reformanda. Da gibt es dann schon auch mal Überraschungen, die einen umhauen können. Wir sehen neu, hören wieder richtig – hin. Wir kommen in Bewegung und werden sprachfähig. Werft euer Vertrauen nicht weg. "Es hat eine große Belohnung…" geht es weiter (Hebr 10,35). Wir können erleben, dass "bei Gott kein Ding unmöglich ist" (Lk 1,37).

Reformationsjubiläum. Da gehört schon auch dazu, dass Luther sagte: „Was aus der Taufe gekrochen ist, das kann sich rühmen, dass es schon zum Priester, Bischof und Papst geweihet sei, obwohl es nicht jeglichem ziemt, solch Amt auszuüben.“ Das ist sauber biblisch-theologisch gedacht. Mit einem Federstrich hebt der Reformator die Klassengesellschaft des Mittelalters auf. Das Gegenüber von Gemeindechristen und geistlicher Elite hat ausgedient, wenn jeder, der getauft ist, automatisch zur geistlichen Elite gehört.

„Allgemeines Priestertum aller Gläubigen“. Jeder Gläubige repräsentiert die Kirche. Chauffeur, Anwältin, Betriebswirt, Computerspezialistin: Sie bilden die Gemeinschaft der Gläubigen. Und, noch aufregender: Luther wertet weltliche Berufe auf. Gute Werke, das ist alles, was im Glauben getan, geredet und gedacht wird. Jubilate! Die Trennung von heilig und profan ist aufgehoben. Der Alltag hat seinen eigenen Zauber und unsere Arbeit daheim, am Schreibtisch, in der Firma kann ein rechter Gottesdienst sein.

Christusjahr. Das war die brillante Idee unseres Landesbischofs. Eine, die nicht zum konfessionellen Separatismus aufruft, sondern zur Gemeinsamkeit. Das gefällt jetzt auch nicht jedem, weil man sich ab und zu ganz gerne abgrenzt von den anderen. Aber es geht nicht um eigene Profilierung, sondern darum, wer um Herr ist über mein Leben. An wem ich mich ausrichte und orientiere. Luthers bester Freund war Johannes Bugenhagen. Er hat ihn mit Katharina getraut und ihm am Ende auch die Grabrede gehalten.

Bugenhagen war der Reformator von Nordeutschland und Skandinavien. Ein „Generalsekretär des organisierten Luthertums“, wie es ein Journalist neulich formulierte. Er war der Diplomat, der zwischen den Regierungen und der Reformation vermittelte, sozusagen der Politikbeauftragte. Seine Kirchenordnungen bestimmten über Jahrhunderte das Verhältnis zwischen Staat und Kirche. Besonders wichtig war ihm bei diesen „Staatsverträgen“ das Sozialwesen und guter Schulunterricht.

Solus Christus. Für Bugenhagen bedeutet das ganz aktuell: „Wir brauchen gute Schulen, kein Schulgeld für die Armen und gut bezahlte und gut ausgebildete Lehrer. Wir brauchen ein Fürsorgewesen, das den Bedürfnissen der Armen, Witwen und Waisen gerecht wird. Nicht um erbettelte Almosen soll es gehen, sondern um die Verantwortung der Bürgerschaft für das Gemeinwesen.“ Es gibt keinen Zweifel, dass der Glaube an Christus allein höchst praktische und menschliche Konsequenzen hat.

Bugenhagens Theologie war kurz und knackig. Sein zentraler Satz: „Kennst du Jesus gut, genügt das, auch wenn du sonst nichts weißt. Kennst du Jesus nicht, dann hat alles keinen Wert, was auch immer du sonst lernst.“ Christusjahr. Back to the roots, zurück zu unseren Wurzeln. Ad fontes - hin zur Quelle unseres Lebens. Wir brauchen nicht nachzudenken über unique selling factors, über Alleinstellungsmerkmale oder Markenlogos. Das ist mit solus Christus, allein Christus überflüssig.

Mehr als ihn brauchen wir nicht. Kein liturgisches Brimborium, keinen Ablass, keine Heiligen als Mittler zwischen uns und Gott ... Nur das Vertrauen im Leben und beim Sterben auf Christus. Freund Luther beschreibt Christus als „Spiegel des väterlichen Herzens“. Und des reicht doch wirklich, ihn zu kennen: Wenn Jesus sich Kranken zuwendet, dann wissen wir, dass wir leben sollen. Wenn Jesus sich mit Erzkapitalisten und Huren an einen Tisch setzt, begreifen wir, dass wir uns nicht über andere erheben sollen.

Wenn er Menschen vor der Hinrichtung bewahrt, wird einem schnell klar, dass jeder von uns auf Vergebung angewiesen ist. Solus Christus - Spiegel des väterlichen Herzens. Einer, der leidet und Gottesferne erlebt, wie wir sie in unseren Abgründen kennenlernen. Selbst diese Verzweiflung ist Leben. Jesus, der aufersteht und uns vorangeht in die herrlichste und unmittelbare Gottesnähe, wie wir sie auf Erden nur in wenigen Momenten von Seligkeit erfahren.

Christus allein. Das muss Liebe zu allen Menschen bedeuten. Schändlicherweise hat eine falsch verstandene Christusliebe immer wieder zu Pogromen gegen Juden und Jüdinnen geführt - bis hin zur Shoa. Dafür haben wir keine Entschuldigung - nur tiefe tiefe Scham. Der Antijudaismus des älteren Luther ist bitter. Wir bekennen uns heute auch in unserer Verfassung dazu, dass es eine bleibende Erwählung des Volkes Israel gibt. Wir sind dem Volk Gottes innig verbunden und dankbar, dazu gehören zu dürfen.

Christus allein. Ja. Und in dieser Überzeugung begegnen wir Atheisten, Skeptikern und denen, die einer anderen Religion angehören. Ich halte meinen Glauben für wahr und kann dem anderen zugestehen, dass er seinen Glauben für wahr hält. Ich will mich nicht auf Biegen und Brechen durchsetzen, sondern munter und fröhlich von meinem Glauben erzählen. Leben und leben lassen, die Liberalitas Bavarica hat eine viel umfassendere Bedeutung, als es manchmal den Anschein hat.

Wir können in dieser Stadt, in unserem Land und weltweit nur überleben, wenn wir gemeinsam mit anderen die gottgegebene Menschenwürde achten. Den Religionen und Konfessionen ist es aufgetragen, an Frieden, Gerechtigkeit und der Bewährung der Schöpfung mitzuarbeiten. Wer an einen gnädigen und barmherzigen Gott glaubt und sich nicht selbst arrogant an seine Stelle setzt, der kann gar nichts anders, als in Ehrfurcht mit dem eigenen Leben und dem anderer umzugehen.

Liebe Schwestern und Brüder: Luther, Jubiläum und Christus. Ein mittelalterlicher Mensch mit Ecken, Kanten, mit Irrtümern, der uns zugleich unseres Fundamentes vergewissert und zu neuer geistlicher Freiheit geführt hat. Das ist ein Anlass, zu feiern, sich zu begeistern für einen Glauben, der auf dem Evangelium gründet. Und ein Herr und Gott, der uns auserkoren hat zu seinen geliebten Menschen. Zu Menschen, die sich ihrer selbst bewusst und gerechtfertigt allein aus Gnaden jeden Tag neu aufmachen dürfen ins Leben.

Amen. 

Sola fide - Wie geht Glaube? Von Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising

Diese Frage ist ungefähr so einfach und gleichzeitig so schwer zu beantworten, wie die Frage: Wie geht Liebe? Jeder kennt die Antwort und doch ist es vollkommen unmöglich, so etwas wie eine Betriebsanleitung für die Liebe zu entwerfen. Die Liebe will gelebt werden. Die eigentliche Wahrheit erzählt das Herz.

Ein wenig ist es so auch mit dem Glauben. Über ihn zu sprechen, ist letztlich immer nur vermittelte Erfahrung. Ein Text kann deshalb im besten Fall ein Wegweiser sein und auf einen Weg, der nur selbst gegangen werden kann, verweisen. Denn der Glaube ist vor allem anderen ein Beziehungsgeschehen zwischen Gott und einem Menschen. Und deshalb ist er etwas zutiefst Lebendiges, etwas das man nie festhalten kann, sondern ein Geschehen, dass sich im Gehen wandelt, vertieft und immer wieder neu erschließt.

Diese personale Ebene war es auch – so scheint es mir -, die Martin Luther vor nunmehr 500 Jahren im Herzen bewegte, und die er deshalb so stark in den Mittelpunkt seiner Theologie stellte: Wenn er so sehr und vehement einforderte, dass das Wesentliche, das Erste und damit auch letztlich Entscheidende der persönliche Glaube sei, dann erzählt er dabei immer auch von der Kraft seiner eigenen Gotteserfahrung. Und so spricht er davon, dass wie bei einer Liebesgeschichte, die Geschichte der Liebe des Menschen zu Gott mit der bedingungslosen Öffnung des Herzens und dem vertrauensvollen Einlassen auf die Liebe des Anderen beginnt. Alle Gründe dafür oder dagegen sind letztlich bedeutungslos. Wenn es diesen Schritt des vertrauenden Loslassens und Losgehens nicht gibt, wird der Glaube nicht zu dem werden, was er eigentlich ist: ein Lieben und Geliebt werden von Gott und Mensch.

Das Wunderbare – und auch dies hat Martin Luther in kraftvolle Worte gefasst – ist, dass wir in diesem Schritt bereits Antwortende sind. Wir haben immer schon den Klang im Ohr und im Herzen, dass Gott zu uns sagt: „Ich liebe Dich“, bevor wir überhaupt antworten. Er ist es, der auf uns zukommt voller Barmherzigkeit und Liebe. Gerade darin konnte Martin Luther, der so sehr an seiner eigenen Kraft des Glaubens zweifelte, tiefen Trost finden. Es ist die Botschaft, dass der Mensch sich die Liebe Gottes nie verdienen kann, aber eben auch nie verdienen muss, weil sie ihm schon längst geschenkt ist. Sich von dieser liebevollen Zuwendung Gottes berühren zu lassen und sein eigenes Herz zu einem „Ich glaube Dir“ und „Ich glaube an Dich“ zu öffnen - das ist es, worauf es ankommt. Das ist die Kernbotschaft des Glaubens, die die Reformation mit neuer Kraft in den Mittelpunkt gestellt hat.

Dies können Katholiken und Lutheraner heute gemeinsam so sagen, obwohl gerade an diesem Punkt auch die zentrale Kontroverse der Reformation ansetzte. Schon mit seinen 95 Thesen gegen den Ablass hatte Martin Luther ja in aller Deutlichkeit darauf hingewiesen, dass vieles an dieser Frömmigkeitsform dazu anregt, doch den Anschein zu erwecken, als könne sich der Mensch die Liebe Gottes verdienen. Dagegen betonte Luther in der Klarheit eines entschiedenen Ordensmannes: Gott liebt bedingungslos, und das Einzige, was er vom Menschen erwartet, ist eine liebende Antwort: eben den Glauben. So wurde das „Sola fide“ zu einem der wesentlichen Merkmale reformatorischer Identität.

Es gehört zu den wirklich schönen Früchten des lutherisch-katholischen Dialoges, verstanden zu haben, dass die Frage Glauben oder Werke die falsche Frage ist. Ja, man könnte sogar sagen: recht verstandene Werke sind eine Frucht des Glaubens. Am Beginn steht immer eine liebende Antwort auf die Liebe Gottes. Dieser erste Schritt stimmt das Herz und Handeln eines Menschen so, dass er diesen Glauben auch ausdrücken und leben wird. Aber so wie es ein völliges Missverstehen der Liebe wäre, dass eine geschenkte Rose die Liebe „erkaufen“ könnte, so wäre es ein Missverstehen des Glaubens, wenn die äußeren Zeichen des Glaubens (die Werke) so verstanden würden, als seien sie notwendig, um Gottes Liebe zu verdienen. Diese Auffassung hat Martin Luther zu Recht mit Vehemenz zurückgewiesen. Das haben beide Kirchen in der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungserklärung 1999 in Augsburg gemeinsam bestätigt und festgehalten. Und daraufhin dürfen beide Kirchen einander im Hinblick auf ihre heutige Frömmigkeitspraxis auch immer wieder befragen.

Ich möchte noch einen zweiten Punkt ansprechen, der besonders der katholischen Kirche immer wieder am Herzen liegt: den Gemeinschaftsbezug des Glaubens. Es ist für mich immer wieder beeindruckend, dass die Christen von Anfang an sehr genau um die Verwiesenheit des persönlichen Glaubens auf eine Gemeinschaft wussten.

Dies wird in besonderer Weise deutlich an den beiden wichtigsten Glaubensbekenntnissen, die wir bis heute in der Liturgie beten. Während das Apostolische Glaubensbekenntnis, das im Kern ein altes Taufbekenntnis ist, mit den Worten „Ich glaube“ beginnt, stellt das Große Glaubensbekenntnis, um das über Jahrhunderte in Konzilien und Synoden gerungen wurde, die Worte „Wir glauben“ an den Anfang. Persönlicher Glaube und das Glauben in einer Gemeinschaft gehören von Anfang an zusammen. Es ist ja auch nicht so, dass einem der Glaube im luftleeren Raum begegnet. Es sind Menschen, die von ihrem Glauben erzählen, an denen man die Kraft des Glaubens erfährt und die einen auf dem eigenen Glaubensweg begleiten.

Das ist eine der Grundkonstitutionen dessen, was wir Kirche nennen: die Gemeinschaft der Glaubenden. Deswegen werden in der katholischen Liturgie der Erwachsenentaufe die Taufbewerber gefragt: „Was erbittest du von der Kirche?“. Und die Antwort lautet „Den Glauben“. Der Glaube des Einzelnen verdankt sich auch einer Gemeinschaft der Glaubenden, und führt in einer gewissen Weise auch in diese Gemeinschaft hinein und wird von ihr mitgetragen.

Papst Benedikt XVI. hat es auf die schöne Formel gebracht: „Wer glaubt, ist nie allein“. Für mich liegt darin eine große Entlastung: Ich bin – auch als Bischof – in meinem Glauben nie allein. Ich darf mich von anderen her stärken lassen für meinen persönlichen Glaubensweg, der auch nicht immer einfach ist. So wie jede noch so große Liebe auch durch Zeiten der Bewährung führt, so gibt es wohl in jeder Glaubensbiographie Zeiten der Dürre und der scheinbaren Einsamkeit. Wie gut ist es da, sich von einer glaubenden Gemeinschaft tragen und stärken zu lassen.

Und noch ein letztes: Natürlich begegnet mir auf diesem Weg des Glaubens in einer Gemeinschaft auch der Glaube der Kirche in einem inhaltlichen Sinne - die große Tradition dessen, was die Kirche über die Jahrhunderte als wesentlich und als Kern des christlichen Glaubens erkannt hat. Und ich stehe vor der Herausforderung, mich dazu zu positionieren. Mir ist bewusst, dass gerade dieser Punkt für viele schwierig klingt, ja nach einem Widerspruch dessen, was zu Beginn über den persönlichen Glauben gesagt wurde.

Deshalb will ich einen vielleicht gewagten Vergleich versuchen: Wie wäre es, diese reiche Fülle an menschlichen Erfahrungen, an Reflexion über das Leben des Menschen und über seine Beziehung zu Gott als eine einzige Sammlung von Liebesgeschichten zu verstehen? Als ein Schatz an Erfahrungen, bei denen Menschen einander über die Jahrhunderte davon erzählen, was in ihrer Erfahrung die Liebe zwischen ihnen und Gott getragen hat und weiter tragen wird. Als gesammelte Lebensgeschichten, die je eigene Erfahrungen berichten und diese hilfreich fruchtbar machen wollen für das persönliche Glauben. Als wohlwollende schützende Begleitung, die der eigenen Beziehung zu Gott dienen will. Natürlich wird einem manches aus diesem Schatz der Jahrhunderte fremd bleiben, vielleicht sogar nicht dienlich erscheinen. Aber zeigt nicht auch die eigene Lebensgeschichte, dass viele Dinge, die uns in bestimmten Lebensphasen prägen, in anderen Phasen fremd werden und umgekehrt?

Ein wenig scheint es mir so auch mit dem Glauben der Kirche: Auch da gibt es vieles, was mich trägt, prägt und was ich als tiefe Bestärkung erfahre. Und dann gibt es einiges, das mich herausfordert, das mich Fragen stellen, ja ringen lässt. Und nicht zuletzt gibt es auch manches, das mir fremd bleibt, das mir wenig sagt. Doch gerade diese herausfordernden Punkte empfinde ich als etwas sehr Heilsames, weil sie mich immer wieder davor bewahren, es mir auf meinem Glaubensweg allzu bequem zu machen. Natürlich bedeutet das nicht, dass es darum geht, alles gut und richtig zu finden. Ganz im Gegenteil: Damit der Schatz des Glaubens ein lebendiges Buch der Liebe Gottes mit den Menschen bleibt, bedarf es auch immer wieder der Überprüfung, des heilsamen Widerspruches und des Hinweises auf eine rechte „Hierarchie der Wahrheiten“. Dabei ist Martin Luther auch heute ein anregender und hilfreicher Wegbegleiter.

Wie geht Kirche? Soli Deo Gloria! Von Pfarrer Andreas Ebert

Der französische katholische Theologe Alfred Loisy hat gesagt: „Jesus verkündete das Reich Gottes - gekommen ist die Kirche“. Anders als später Papst Benedikt war er nicht der Meinung, dass beides quasi deckungsgleich ist. Er litt unter der Spannung zwischen dem Leben und der Lehre Jesu einerseits und der Institution, die sich im Lauf der Zeit aus den bescheidenen Anfängen in Palästina entwickelt hat.

Die wechselhafte Geschichte der Kirche hat Strahlendes und Dunkles hervorgebracht: Staunen erregende Kathedralen, berauschende Liturgien, faszinierende theologische Denkkonstrukte, großartige Einrichtungen der Fürsorge für Arme und Kranke auf der einen Seite; einen Machtapparat, der die Menschen erst in Höllenangst stürzte und ihnen dann klerikal verwaltete Gnadenmittel anbot, Gewalt und Eroberung als Mittel und Begleiterscheinung der „Mission“, Ketzer- und Hexenverfolgung, Antisemitismus, Kollaboration mit menschenverachtenden Diktaturen andererseits. Man könnte sagen, die Kirche (und das gilt vermutlich für jede Religion) bringt das Beste und das Schlechteste im Menschen hervor. Wenn es gut geht, begleitet sie uns auf der Suche nach Sinn, Geborgenheit und Würde; wenn es schlecht geht, missbraucht sie ihre Macht über die Seelen und züchtet gefügige Untertanen.

Geburtsstunde der Kirche ist die „Ausgießung des Heiligen Geistes“ an Pfingsten. Nach der Ostererfahrung, dass Jesus auf neue Weise lebt und nach dem Ende sichtbarer Jesuserscheinungen warteten seine Anhängerinnen und Anhänger auf etwas Neues. 50 Tage nach Ostern ereignete es sich. Eine neue Begeisterung bemächtigte sich der verwaisten Gemeinschaft. Das wird in Bildern wie „Sturm“ und „Feuer“ dargestellt. Und jeder Einzelne empfängt den „Geist“ - aber auch alle gemeinsam. Er stiftet eine einzigartige Erfahrung von Gemeinschaft und ermutigt das eben noch so lahme Häuflein der Hinterbliebenen, andere in diese Erfahrung einzuladen.

Kirche beginnt als unverfügbares Ereignis „von oben“ und manifestiert sich erst später in Ordnungen und Strukturen. Das ist ein notwendiger Prozess. Göttliche Impulse lassen sich nicht festhalten oder festschreiben - deshalb ist die Institutionalisierung der Begeisterten unausweichlich. Freilich lauert hier die Gefahr, dass die Institution zum Selbstzweck wird, dass sie „geistlos“ wird, nur noch Erinnerungskultur oder moralische Anstalt, Welt erklärend aber nicht mehr Welt bewegend.

Zum Glück ist Pfingsten kein einmaliges Ereignis. Immer wieder hat es der Heilige Geist geschafft, die ursprüngliche Begeisterung und die unleugbare Erfahrung der Gegenwart Gottes in der Welt neu zu wecken. Immer wieder gab es geistgewirkte Erneuerungsimpulse, die die Kirche wach gerüttelt und aus der Erstarrung befreit haben: Franz von Assisi und seine Armutsbewegung zum Beispiel oder die mittelalterlichen Mystiker und Mystikerinnen in den kontemplativen Klöstern, später die Basisgemeinden Lateinamerikas.

Auf seine Weise war auch Martin Luther mit seiner Wiederentdeckung des gnädigen Gottes ein Geistgeleiteter, auch wenn sich die Reformationsbewegung selbst sehr schnell dogmatisch verengt hat, die Mystik verdammte und wohl auch deshalb kein wirklich überzeugendes Gegenmodell von Kirche hervorbringen konnte. Aber auch im evangelischen Raum gab es immer wieder beeindruckende Erneuerungsbewegungen: die Herrnhuter Brüdergemeinde etwa mit ihrer Betonung des gemeinsamen Lebens und der Christusfreude, Vater und Sohn Blumhardt im 19. Jahrhundert, denen die urchristlichen Heilungsgaben und die neutestamentliche Reich-Gottes-Hoffnung neu geschenkt wurden. Im 20. Jahrhundert war es Dietrich Bonhoeffer, der schon als Student die Auffassung des Apostels Paulus entdeckte, dass Christus nicht irgendwo im Himmel ist, sondern als Gemeinde sichtbar existiert. Oder Martin Luther King, der den Traum Gottes von der Gleichheit aller Menschen mit Leben füllte.

All diese Menschen waren „Mystiker“. Der katholische Theologe Karl Rahner definiert Mystiker so: „Jemand, der etwas erfahren hat“ und ist überzeugt: „Der Fromme der Zukunft wird Mystiker sein - oder er wird nicht sein!“. Der evangelische Theologe Paul Tillich kritisiert den Protestantismus: „Ein Protestantismus, in dem Meditation und Kontemplation, Ekstase und 'mystische Vereinigung' keinen Raum mehr haben, hat aufgehört, Religion zu sein; er ist zu einem intellektuellen und moralischen System in traditionellen religiösen Begriffen geworden."

Mich selbst haben die Phänomene Heiliger Geist und Kirche schon früh bewegt. Im Studium bin ich in Würzburg einer charismatischen jungen Gemeinschaft begegnet, die schon alle Ingredienzien hatte, die man heute „integrale Spiritualität“ nennt. Damit ist die Vereinigung von scheinbaren Gegensätzen gemeint: fromm und politisch, liturgisch und diakonisch, frei und sakramental, mystisch biblisch und bibelkritisch. 

 

Das hat meine eigene Vision von Kirche geprägt. Ich hatte das Glück, immer wieder Experimente initiieren oder begleiten zu können, wo wir neue Formen von Kirche inmitten der großen alten Kirche erforscht und erlebt haben. Als junger Pfarrer in der Innenstadt von Nürnberg gründete ich den „Lorenzer Laden“, der bis heute existiert: eine Basisgemeinde mit Eine-Welt-Engagement und einer Anlaufstelle für einsame und angeschlagene Menschen. Hier gab/gibt es keine steile Hierarchie. Das starke Zusammengehörigkeitsgefühl führte nicht zur Abkapselung, sondern zu großer Offenheit für Suchende und für die brennenden Weltprobleme. Später war ich stellvertretender Leiter des Gemeindekollegs der Vereinigten Evangelisch Lutherischen Kirche in Celle. Dort haben wir Modelle der Gemeindeerneuerung erprobt und zum Beispiel die Thomasmesse aus Finnland entdeckt und in Deutschland implantiert. Schließlich passte unser Kurs der Kirchenleitung nicht, vor allem nicht unser starkes Engagement für ein neues Miteinander von Theologen und Laien auf Augenhöhe. Wir mussten gehen. Das war ein große Glück für mich: Denn ich konnte mich ein Jahr lang in ein katholisches Meditationshaus in Oberfranken zurückziehen, dort mitleben und selbst eine schmerzhafte und heilsame innere Wandlung erleben.

Im Anschluss ging ich nach München, wo mein alter Freund und Weggefährte Tilmann Haberer Pfarrer an St. Lukas war. Dort war Ende der 90 Jahre ungeheuer viel Neues aufgebrochen, Kirche nach meinem Herzen: Zuwendung zu Obdachlosen mit Brunch und Kirchenkeller, der Lukasladen als Ort des Gesprächs und des fairen Handels, die Thomasmesse mit ihren wunderbaren Ritualen des Salbens und Segnens und mit ihrer Entdeckung des „Priestertums aller Glaubenden“, die grandiosen Chöre, nicht zuletzt der Gospelchor. Das passte alles zusammen irgendwie - und als eine halbe Pfarrstelle frei wurde, sagte ich gerne Ja. Schon bald lud ich zusammen mit Klara Koller im Gemeindehaus zu einer Einführung in die christliche Meditation (Herzensgebet) ein. Als dann St. Martin frei wurde, weil Pfarrer Steinlein in den Ruhestand ging, entwickelte ich 2002 das Konzept eines Spirituellen Zentrums. Die Landeskirche stimmte zu. Und so habe ich die letzten 13 Jahre meiner Dienstzeit damit verbracht, versteckt in einem Hinterhof im Glockenbachviertel noch einmal zu experimentieren. „Schweigen - Reden - Handeln“ war und ist unser Motto.“ Viele „Kirchenferne“ gehören zu denen, die bei uns andocken. Sie erfahren Kirche als Ort der Stille, des offenen und freien Austauschs, der geistlichen Vertiefung und Reifung. Sie erleben Seminare und Kurse, Begleitung von Pilgern und von Suchenden, Aus- und Fortbildung von „Ehrenamtlichen“ zur Meditationsanleitung oder zur Arbeit mit spirituellen Persönlichkeitsmodellen wie dem Enneagramm.

Die Landeskirche ist inzwischen dabei, Meditation und andere geistliche Übungen in die Mitte der Kirche zu integrieren. Mystik ist keine Deko, sondern das Herz des Glaubens. Gemeinden müssen noch viel stärker zu Orten der geistlichen Erfahrung und Begleitung werden, Pfarrerinnen und Pfarrer müssen künftig so ausgebildet werden, dass sie suchende Menschen in das Geheimnis des Glaubens einführen können. Sie müssen „Mystagogen“ werden. Das hat der Theologe Manfred Josuittis schon vor 30 Jahren gesagt. Und Friedrich Schleiermacher schon vor 150 Jahren: Pfarrer hätten die Aufgabe, „religiöse Virtuosen“ zu sein, also selbst das erfahren zu haben und zu leben, was sie verkünden.

Das ist meine Vision für die Zukunft der Kirche: Die Kirche muss immer wieder erneuert werden. Vermutlich wird sie künftig kleiner und ärmer, aber dadurch eine echte Gegenkultur in einer Welt von Leistung, Materialismus und Selbstoptimierung. Ein Ort der Sinnstiftung und des gemeinsamen Handelns. Ein Ort, wo hie und da die Kräfte des Reiches Gottes sichtbar und spürbar werden. So ehren wir Gott. Gott allein!

Kanzelrede 2017 von Schauspieler und Kabarettist Andreas Giebel

Einmal im Jahr lädt St. Lukas einen Menschen des öffentlichen Lebens ein, aus seinem Glauben heraus und mit dem je eigenen fachlichen und persönlichen Hintergrund in einer Kanzelrede im Gottesdienst Stellung zu nehmen. So sprachen unter anderem Imam Benjamin Idriz zum Thema Toleranz, Bundestagspräsident a.D. Wolfgang Thierse zu „Glaube und Politik“, Theaterintendant Christian Stückl zu „Bild und Religion“ und Journalist und Autor Heribert Prantl zu „Zuflucht in bewegten Zeiten“.

Im Reformationsjubiläumsjahr 2017 war Kabarettist Andreas Giebel bereit über „Licht und Schatten christlicher Existenz“ zu sprechen.

"Neulich war ich wieder mal beim Pfister. Zwei waren vor mir. Normalerweise mach ich mir immer Gedanken über die vor mir. Wie kaufen die ein, wie leben die...

„Aha, sauber, zwei ganze Brote, beide durchgeschnitten, eine Hälfte in Scheiben, eine geviertelt, alles einzeln verpackt… so ein Hamstertyp, denk ich mir, ein Bevorrater. Entweder weil er zu faul ist, öfter einkaufen zu gehen oder für den Fall dass der Weltkrieg ausbricht. Der muss ja eine große Gefriertruhe haben. Und meine letzte Sonne hat er mir auch noch vor der Nase weggekauft.“ So was denk ich mir normalerweise.

Aber dieses mal dachte ich an den heutigen Sonntag. Was erzählst du den Menschen in der Kirche. Wenn man so ein Unterfangen ernst nimmt ist das schwieriger als man denkt. Vielleicht auch speziell für einen wie mich. Soll ich von meiner Art des Glaubens sprechen ?

Oder davon, Dass ich schon immer Schwierigkeiten hatte mit festen Abläufen, nicht nur in der Kirche, nein, bei allen öffentlichen Anlässen, Die erste Rede die zweite Rede, die dritte Rede, ein Tusch und dann gibt’s Essen, wäre das umgekehrt, also erst das Essen, würden die Reden vermutlich vor vielen leeren Stühlen stattfinden.

Weil viele draußen sind, auf dem Klo, beim Rauchen, oder schon wieder auf dem Heimweg.

Beim Gottesdienst am Sonntag gibt’s kein Essen, dafür wird mehr gesungen. Wichtig, wahrscheinlich für Viele, gemeinsam in sich zu gehen, sich gemeinsam zu besinnen, zu beten, der gemeindliche Zusammenhalt im Glauben, um diesen immer wieder zu festigen, um dann wieder gestärkt und vielleicht auch beseelt in den Alltag zu entschwinden.

Aber ich bin im Grunde immer noch der innerlich unruhige Zappelphillip, der ich schon in der Schule war. Jene Einrichtung, in der ich zwar Lesen und Schreiben gelernt habe, aber nichts von dem, auf was es im Leben ankommt. Keine auch nur ansatzweise brauchbare Anleitung. Eine Gebrauchsanweisung fürs Leben. Alles mußt du selber machen und keiner erklärt es Dir. Und in diesem Kampf mit der Welt stecke ich bis Heute.

„So, der nächste bitte, was griang sie?“Jetzt bin ich dran, beim Pfister.

„Gebens mir das halbe Rustikal mit dunklen schwarzen fast verbrannten Kruste, und des braune Salzstangerl, bitte!“

Eine ältere Dame hinter mir, klein, Adrett, sehr nett,meint: „Sie mögens gern dunkler, gell? Des ist ja gut daß wir nicht alle gleich sind, weil ich mags gern hell!“ „Ja, da haben sie recht, jeder ist ein Individuum, drum gibt’s ja da auch so viele verschiedene Brote!“

„ja mei,“ sagt sie, „wenn ich jung wäre, würde ich vielleicht auch des dunkle gern mögen!“

Na ja sag ich, soo jung bin ich auch nicht mehr!“ „für mich schon, ich bin jetzt 94“

„Was? Des gibt’s ja gar nicht, Respekt, des hätt ich ja nie geglaubt“. „Aber hundert mog i a net wern!“ Net? „Na, ich hab ja koane Leit mehr, san ja jetzt scho fast alle weg!“

„Ja dann hoff ich, dass ma uns noch oft sehen, hier beim Pfister !“

So eine nette Person, und geistig so wach mit einem Witz und einer Art. Ganz beseelt bin ich rausgegangen, mit meinem Rustikalbrot und meinem Salzstangerl.

Die Momente sind es, im Leben, die Begegnungen mit den Menschen und das was sich daraus ergibt.

Ich weiß gar nicht was sich die Menschen immer alles unter Glück vorstellen. Albert Schweitzer hat gesagt: „Glück ist gute Gesundheit und ein schlechtes Gedächtnis!“

Am Ersten arbeite ich noch, mit dem Zweiten klappt es schon ganz gut. Ja was ist Glück?

Wenn du dir die Möbelkataloge anschaust. Da hauts dir doch den Vogel raus. Küchen wie Kathedralen, der Kochblock in der Mitte als Altar, und die modelgleiche Dame des Hauses steht einsam dahinter und lächelt. Lebenstraum erfüllt, erledigt, alles klar. Wenn das Glück ist… na servus.

Und Besuch hams auch keinen, weil keiner rausfahren will, aufs Land, um die zu besuchen. Zumindest ich nicht. Weil ich dann immer alles bewundern muss, ich hab aber nur einen ganz geringen Vorrat an Bewunderung. Unglaublich diese Sitzgarnitur, und der Teppich, phantastisch. „Und sogar ein Spiegel im Bad, toll!“ Mehr geht nicht.

Das gleiche mit den Urlaubskatalogen. Herrlicher Strand, Swimmingpool, Essensbüffet, schöne Zimmer.

Ja, das nutzt mich doch nix, wenn ich lauter Deppen um mich herum hab. Lauter oberflächige Gscheidhaferl, nix im Hirn aber Sprüch machen. Das ist doch kein Urlaub!

„Der Mensch ist gut, aber die Leit san bläd!“    hat der Valentin schon gesagt.

Und alle wollen immer ihr Leben planen, ihr Glück planen. Also, Sie nicht und ich nicht, aber die Anderen.

Mir gefiel auch immer der Satz: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm von deinen Plänen!“ Immer die Jagd nach dem Glück um irgendwann zufrieden zu sein. Vielleicht ist das einfach die falsche Reihenfolge.

Die Elektronik tut ihr Übriges. Wenn es in den Nachrichten interessant wird, heißt es immer gleich:“ Wenn sie mehr darüber wissen wollen, schauen sie nach unter www.ZDF-INFO.de. Der Ratschlag des Jahrhunderts. Wenn du was wissen willst, schau nach. Diese Haltung verbreitet sich überall. Ich hoffe nur nicht in der Kirche. Dass der Pfarrer oder die Pastorin auf die Kanzel geht und sagt: „wir sind alle Sünder…wenn sie mehr darüber wissen wollen, schauen sie nach unter www.Bibel.de. Das war dann die Predigt.

Auf der Straße treffe ich einen Bekannten: „Und, wie geht’s? „Er geht weiter und sagt:“ Schaug hoit nach!“ In London gibt es an den Straßenlaternen Polster in Kopfhöhe, damit sich die narrischen Smartphonebenutzer beim Gehen nicht den Schädel verletzen.

Im Februar ist meine Mutter Gestorben. Mit 91 Jahren, friedlich eingeschlafen im Seniorenwohnheim St. Elisabeth. Eine kluge Frau, spielte Geige, Bratsche Klavier kannte alle Sonaten, Symphonien und Opern auswendig. Ein langes Leben. Wir saßen immer unten im Café vom Seniorenheim, redeten und lachten. Wir grüßten immer alle anderen im Café, die auch immer da waren. Den Herrn Reisinger, das wandelnde Lexikon, die ruhige Frau Meier, immer gepflegt und witzig, die Frau Hausmann sowieso, die mit ihren 70 Jahren ehrenamtlich das Café am Laufen hält.

Ich fahre immer noch hin, und besuche diese Leute die mir mit ihrer Eigenart ans Herz gewachsen sind. Nicht weil ich so nett bin, ich so ein Gutmensch sein will, nein, gar nicht, ich blühe bei diesen Menschen auf, mit ihrer Art ihrer Erfahrung und meiner und dem was daraus entsteht. Das ist Leben.

So wichtig wie diese Kirche, ist da draußen das Leben, die Menschen, die Begegnungen, das ist auch unsere Kirche, die Glückseligkeit der Momente. Jeden Tag, den Gott uns schenkt.

Ich gehe durchs Leben und Gott begleitet mich. Das weiß ich. Dass ich auch vom Kopf her glaube, ist auch wichtig, aber es zu wissen, das ist das schönste. Manchmal, wenn wir uns unterhalten, im Gebet, und ich werde mir in diesen Gesprächen oft meiner Lächerlichkeit bewusst, so, dass ich selber lachen muss, habe ich das Gefühl, er lacht mit, und das hilft mir sehr, dieses Gefühl, der Vertrautheit!“

Ich wünsche ihnen allen ein gutes Leben Und vielleicht treffen wir uns ja mal auf der Straße, beim Gemüsehändler oder beim Pfister."

Wie geht Gnade? Von Bundespräsident Joachim Gauck

Artikelreihe Reformationsjubiläum

500 Jahre Reformation nehmen wir zum Anlass, im Jubiläumsjahr zentrale Fragen der Reformation neu zu stellen und namhafte Persönlichkeiten um Antworten für unsere Zeit zu bitten.

Bundespräsident Joachim Gauck hat vor kurzem St. Lukas beehrt. Als Bundespräsident kann er qua Amt das Begnadigungsrecht ausüben. Als Pfarrer war Gnade in seinem Reden, Denken und Handeln eine grundlegende Kategorie. Beim Festakt „500 Jahre Reformation“ in Berlin hat er darüber gesprochen, dass unsere Gesellschaft nichts so nötig hat, wie Gnade. Mit Ausschnitten aus dieser Rede setzen wir die Artikelreihe fort überschrieben mit der Frage „Wie geht Gnade?“

 

Wie geht Gnade?
Von Bundespräsident Joachim Gauck

Dass die Reformation und die Feier ihres Gedenkens mich ganz persönlich sehr bewegen, als evangelischen Christen und als Pastor, der ich einmal war – das dürfte niemanden überraschen. Aber ich spreche zu Ihnen heute als Bundespräsident und bringe damit zum Ausdruck, dass unser Gemeinwesen dieses ja zunächst kirchliche Ereignis außerordentlich wichtig nimmt. Wir vermischen hier nicht unzulässigerweise die kirchliche und die staatliche Sphäre, sondern der Staat erkennt an, dass auch er selber, in seiner Geschichte und Vorgeschichte, in vielfacher Weise von der Reformation und ihrer Wirkungsgeschichte geprägt ist. Die heutige Gestalt unseres Gemeinwesens ist ohne die christlichen Kirchen nicht denkbar. Und sie ist nicht denkbar ohne die Reformation. …

Der Beginn könnte unscheinbarer kaum sein: Ein noch junger Professor der Theologie formuliert einige pointierte Thesen. Mit diesen Thesen zum Ablasswesen stellte Martin Luther allerdings eine entscheidende Praxis seiner Kirche ganz grundsätzlich in Frage – eine Praxis, die von hoher religiöser, kultureller aber auch von ökonomischer und machtpolitischer Relevanz war und die für die Menschen in ihrem ganz persönlichen Glaubensleben eine wichtige Rolle spielte.

Er hatte so die Tür in eine neue Welt aufgestoßen. Allerdings: Weder Luther, noch Calvin, noch Zwingli noch ein anderer der Reformatoren in deutschen und europäischen Ländern konnte ahnen, welche grundstürzenden gesellschaftlichen und politischen Folgen ihr Kampf für eine Reform des Glaubens und der Kirche haben sollte. Denn es ging ihnen doch vor allem anderen um das Heil der Seele, um das richtige Verhältnis zu Gott, um Himmel oder Hölle.

Viele von uns heute verstehen gar nicht mehr, wie man sich darüber überhaupt Gedanken machen kann – und noch fremder sind den meisten wohl die Seelenqualen und die Gewissensängste, die die Menschen am Ausgang des Mittelalters so unaufhörlich beschäftigten – und einen von ihnen eben ganz besonders: Martin Luther.

"Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?" – "Wofür wird Gott mich bestrafen?" – "Was geschieht mit mir nach meinem Tode?" Diese sehr persönlichen religiösen Fragen angefochtener Seelen – und die neuen Antworten darauf – waren es, die politische, ja weltgeschichtliche Erschütterungen ausgelöst haben.

Dass die Gedanken der Reformatoren eine so unerhörte Sprengkraft entwickeln konnten, lag gewiss auch an günstigen Umständen wie etwa dem Buchdruck, der die neuen Ideen so schnell in alle Winkel verbreitete.

Andererseits aber lässt sich diese Sprengkraft nur erklären durch die leidenschaftliche Suche nach dem richtigen Glauben, nach dem Willen, auf rechte Art fromm zu sein, der die meisten Menschen in jener Zeit bewegte. Wenn sich nun an diesem innersten Beweggrund ihres Lebens entscheidendes änderte – dann konnten davon auch die übrigen Verhältnisse nicht unberührt bleiben…

Neben der Wahrheit des Evangeliums und neben der durch sie ermöglichten Freiheit war das wichtigste Wort der Reformation wohl "Gnade". Luthers alles andere überragende Erfahrung war, dass er allein durch die Gnade Gottes zu einem gerechten und guten Menschen werde. Das war das Befreiungserlebnis seines Lebens, die Erlösung seiner suchenden und oft verängstigten Seele.

Gnade: damals ein zentrales – heute vielleicht ein fremdes Wort. Und dabei, so scheint es mir, hätten wir gerade heute nichts so nötig wie Gnade. Gnade zuerst mit uns selbst, damit wir nicht vor immer neuer Selbsterfindung und Selbstoptimierung schließlich in verzweifelter Erschöpfung landen. Gnade auch mit unseren Mitmenschen, die eben fehlbare und unvollkommene Wesen sind wie wir selber und von denen wir doch häufig Perfektion und reibungsloses Funktionieren erwarten.

Es macht sich zudem in unserer Gesellschaft, von Internetforen bis hin zu politischen Debatten, ein Ungeist der Gnadenlosigkeit breit, des Niedermachens, der Selbstgerechtigkeit, der Verachtung, der für uns alle brandgefährlich ist.

Und dass wir weniger von Ängsten geplagt und von Furcht ergriffen sind als die Zeitgenossen der Reformation, das kann man nun sicher nicht behaupten, auch wenn diese Ängste uns nicht mehr als leibhaftige Dämonen und Teufel erscheinen.

Von denjenigen, für die die Reformation mehr ist als historische Erinnerung und für deren Leben der christliche Glaube eine wichtige Rolle spielt, von denjenigen wünsche ich mir, dass sie aus diesem Glauben heraus gnadenlosen Zuständen immer wieder Momente von tätiger Zuwendung, aber auch von Umkehr und Veränderung, entgegensetzen können. Wir brauchen auch heute Agenten der Entängstigung. Und wenn es sein muss auch mit dem gelassenen Trotz, wie ihn Luther formuliert: "Und wenn die Welt voll Teufel wär / Und wollt uns gar verschlingen / So fürchten wir uns nicht so sehr / Es soll uns doch gelingen…"

Für viele ist der Glaube an Gott oder an eine unverdiente himmlische Gnade keine persönlich erfahrene Wirklichkeit mehr. Ihnen wünsche ich, dass sie hier und da Gnade von ihren Mitmenschen erfahren und auch selber gnädig mit anderen umgehen. Wenn Menschen sich bewusst machen, dass sie hier und da in rational nicht fassbarer Weise beschenkt, getragen oder bewahrt waren, oder wenn sie voller Staunen erleben, dass ihnen Gutes widerfährt, was sie sich nicht selber erarbeitet haben – dann haben sie möglicherweise eine Erfahrung von Gnade gemacht. Auf Latein heißt Gnade "gratia". "Gratis" kommt daher: Großzügigkeit und selbstloses Schenken. Und auch die "Grazie" leitet sich daher, die Leichtigkeit unverkrampften Daseins. Wo solche Grazie erfahren wird, ist ziemlich sicher auch die Gnade nicht weit.

Deshalb freuen wir uns nun auf das Gedenken der Reformation. Nehmen wir sie als eine aktuelle Herausforderung für unser Denken und Handeln. Sie geht uns voraus in ihrer Leidenschaft für Wahrheit und Freiheit und sie geht uns gerade deswegen auch an: als einzelne Menschenkinder, die in Wahrhaftigkeit und Freiheit ihren Weg zu gehen suchen, als Christen, deren Kirche eine Reformation nie nur hinter sich, sondern immer auch vor sich hat und als Bürgerinnen und Bürger, die aus eben diesem Geist ihrem Gemeinwesen in beständiger Bereitschaft zur Erneuerung verbunden bleiben.

Wie geht Freiheit?

Von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm
(Diesen Artikel können Sie hier als PDF herunterladen)

Wie geht Freiheit? Aus evangelischer Sicht gibt es darauf eine klare Antwort. Und sie trennt die Konfessionen nicht mehr, sondern sie verbindet sie. Genau das will das Reformationsjubiläum 2017 unter dem Stichwort „Christusfest“ neu in den Blick nehmen. Wer von christlicher Freiheit redet, kommt um Christus nicht herum und ist damit gleichzeitig mitten im Zentrum der reformatorischen Botschaft: Solus Christus – Christus allein. In der Reformation ging es auch um die (Wieder-) Entdeckung der Bibel (sola scriptura), um den Glauben (sola fide) und um die Gnade Gottes (sola gratia). Alle drei sind untrennbar mit Jesus Christus verbunden. Deswegen lohnt es sich, das „Solus Christus“ etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Es führt uns zunächst zu Martin Luther selbst, dem „allein Christus“ zu einer existenziellen Erfahrung wurde. Er erlebte es als bedrückend, dem Anspruch Gottes gerecht werden zu müssen; Er wusste um das Gute und sah sich doch außerstande, es erfüllen zu können. Er bemühte sich mit aller ihm zur Verfügung stehenden Kraft und scheiterte an dem Graben zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Bis sich ihm schließlich der Sinn einer Stelle aus dem Römerbrief in ganz neuer Weise erschloss. Dort heißt es: „Der Mensch ist allein gerechtfertigt aus dem Glauben und nicht aus den Werken“ (Röm 3, 28).

Menschen können sich nicht rechtfertigen vor Gott – sie werden ohne eigenes Verdienst gerecht, durch die Erlösung, die in Jesus Christus geschehen ist. Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, ist nie die eigene, sondern eine fremde, nämlich die von Jesus Christus. Die Gerechtigkeit Christi wird einem jeden so angerechnet, als sei es die eigene.

Diese Erkenntnis war für Martin Luther der Sprung in die innere Freiheit. In der Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ beschreibt er dieses Geschehen hinreißend als „fröhlichen Wechsel“: „Weil Christus Gott und Mensch ist, der noch nie gesündigt hat, und seine Frommheit unüberwindlich, ewig und allmächtig ist, so macht er denn die Sünde der gläubigen Seele durch ihren Brautring – das ist der Glaube - sich selbst zu eigen und tut nichts anderes, als hätte er sie getan. So müssen die Sünden in ihm verschlungen und ersäuft werden; denn seine unüberwindliche Gerechtigkeit ist allen Sünden zu stark. So wird die Seele von allen ihren Sünden durch ihren Brautschatz geläutert, das heißt: des Glaubens wegen ledig und frei und begabt mit der ewigen Gerechtigkeit ihres Bräutigams Christus. Ist nun das nicht eine fröhliche Wirtschaft, wo der reiche, edle, fromme Bräutigam Christus das arme, verachtete, böse Hürlein zur Ehe nimmt und sie von allem Übel entledigt, ziert mit allen Gütern? So ist es nicht möglich, daß die Sünden sie verdammen; denn sie liegen nun auf Christus und sind in ihn hinein verschlungen.“

Gerecht werden vor Gott – das kann kein Mensch und sei er in seinem Tun noch so vorbildlich. Das kann nur Christus. „So sehen wir, daß ein Christenmensch an dem Glauben genug hat; er bedarf keines Werkes, damit er fromm sei. Bedarf er denn keines Werkes mehr, so ist er gewiß entbunden von allen Geboten und Gesetzen. Ist er entbunden, so ist er gewiß frei. Das ist die christliche Freiheit, der einzige Glaube, der da macht, nicht daß wir müßig gehen oder übel tun möchten, sondern daß wir keines Werkes zur Frommheit und um Seligkeit zu erlangen bedürfen.“

Freiheit besteht für Luther darin, selbst des beständigen Bemühens entledigt zu sein, im eigenen Tun das Heil zu suchen. Welche Rolle aber spielt das Tun – oder die Werke, wie Luther sagt? Was wäre das für eine Freiheit, die das Tun des Guten verachten würde? Das kann es also nicht sein.

Vielmehr ändert sich der Begründungszusammenhang: „So daß allewege die Person zuvor gut und fromm sein muß vor allen guten Werken, und gute Werke folgen und gehen aus von der frommen, guten Person. Ebenso wie Christus sagt: ‚Ein böser Baum trägt keine gute Frucht. Ein guter Baum trägt keine böse Frucht‘.“ (Matth. 7,18)

 Im Vertrauen auf Christus allein gewinnt der Christenmensch die Freiheit, die sein Verhältnis zu seinen Mitmenschen bestimmt. Diese entfaltet Luther in der bereits erwähnten Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, die 1521 entstanden ist und zu den seinen Hauptschriften zählt. Zwei Thesen stehen an ihrem Anfang: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemandem untertan“ und „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“. So widersprüchlich dies zunächst klingt, gehört doch beides zusammen.

Aus der ersten These – niemandem untertan zu sein – ergibt sich, was „Zivilcourage“ genannt wird, zu eigenen Überzeugungen auch dann zu stehen, wenn dies persönliche Konsequenzen hat. Geradezu bildlich wurde dies in der reformationsgeschichtlichen Schlüsselszene schlechthin: Luthers Auftritt vor dem Kaiser auf dem Reichstag zu Worms im April 1521, als er sich, unter Androhung des Todes, weigerte zu widerrufen: „Wenn Eure Majestät und Eure Herrschaften denn eine einfache Antwort verlangen, so werde ich sie ohne Hörner und Zähne geben. Wenn ich nicht durch Schriftzeugnisse oder einen klaren Grund widerlegt werde – denn allein dem Papst und den Konzilien glaube ich nicht; es steht fest, daß sie häufig geirrt und sich auch selbst widersprochen haben-, so bin ich durch die von mir angeführten Schriftworte überwunden. Und da mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, kann und will ich nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen.“

Diese Orientierung am eigenen Gewissen gehört zu den unhintergehbaren Grundlagen unserer modernen menschenrechtlichen Kultur. Um das Individuum aber nicht zum alleinigen Zentrum zu machen und den Freiheitsbegriff damit individualistisch zu verengen, muss die zweite These „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“ immer im gleichen Atemzug mit der ersten genannt werden. Mit der Freiheit geht der Dienst am Nächsten einher.

Freiheit ist immer nur dann Freiheit, wenn sie nicht gegen die Nächstenliebe, sondern mit ihr zusammen gedacht wird. Martin Luther hat diesen Zusammenhang auf eine Weise zum Ausdruck gebracht, wie man es besser kaum sagen kann:

„ Sieh, so fließt aus dem Glauben die Liebe und die Lust zu Gott. Und aus der Liebe ein freies, fröhliches, williges Leben, dem Nächsten umsonst zu dienen. Denn so, wie unser Nächster Not leidet und unseres Überflusses bedarf, so haben ja auch wir Not gelitten und seiner Gnade bedurft. Darum sollen wir so, wie uns Gott durch Christus umsonst geholfen hat durch seinen Leib und seine Werke, nichts anderes tun, als dem Nächsten zu helfen.“

Christliche Freiheit ist nichts Sauertöpfisches, nichts Moralistisches, nichts Freudloses, sondern es ist die Grundlage für ein erfülltes, ein glückliches Leben.

Dass viele Menschen das neu entdecken, das wäre mein Traum für das Reformationsjubiläumsjahr  2017!

Wie geht Reformation?

Eine Antwort von Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler
(Diesen Artikel können Sie hier als PDF herunterladen)

Als kleines Mädchen erklärte ich meinen Eltern von mir aus und sehr entschlossen, dass ich den Kindergottesdienst besuche wolle. Ich hatte Gutes davon gehört: Man bekommt Geschichten erzählt, so hieß es, und eine kleine Zeitung mit Rätseln und Bildern. Mit beidem war ich wissensdurstige kleine Person zuhause nicht besonders gesegnet, weil das Geld dafür fehlte. Meine Eltern waren einverstanden. Also stapfte ich vergnügt und ein bisschen aufgeregt los. Alles war so, wie ich es mir ausgemalt hatte. Eine junge, liebens­werte Frau erzählte mitreißende Geschichten.

Geschichten über Geschichten, alle aus der Bibel, eine so atemberaubend wie die andere. Nein, nicht ganz. Joseph und seine Brüder - das war mein persönlicher Hit. Zuerst der Verkauf des Traumtänzers Joseph nach Ägypten, der Schmerz seines Vaters, Joseph als widerspenstiges Lustobjekt der Kämmerersfrau, seine Gefangenschaft in den Kerkern des Pharao.... Ich konnte es kaum erwarten, bis der nächste Sonntag da war und es endlich mit der hochdramatischen Familiensaga weiterging. Manche Mehrteiler im Fernsehen heute erinnern mich entfernt an die Spannung vergangener Tage.

Unsere persönliche Situation zuhause, mein Vater, der nicht bei uns leben durfte, weil er nicht mit meiner Mutter verheiratet war, die despektierlichen Äußerungen über uns im gesellschaftlichen Umfeld waren es wohl, die mich sensibel gemacht haben für die emotionalen Züge der bibli­schen Geschichten. Da kommen Menschen vor wie du und ich. Einer phantasiert sich in großartige Rollen, weil das Leben ihn klein macht. Andere wollen mitziehen, sind neidisch über fremde Erfolge. Verluste brechen einem schier das Herz; unbefriedigte Sehnsucht kann aggressiv machen. Und erst ein happy-end!

Ich liebte und liebe den glücklichen Ausgang von Erzählun­gen, Filmen, Büchern und natürlich von Ereignissen im wirk­lichen Leben. Es braucht solche Visionen, solche Bilder vom guten Ausgang, damit man nicht erstickt unter der Last noch unbewältigter Erfahrungen oder gar zerbricht an einer quälenden Realität. Joseph, der es schließlich ganz nach oben geschafft hat, sieht seine Brüder nach Jahren wieder. Sie erkennen ihn nicht. Er gibt ihnen Getreide, damit sie nicht hungern, verlangt aber den Jüngsten von ihnen zu sehen, den daheim gebliebenen Benjamin, und behält dafür eine Geisel.

Schier unerträglich war mein Verlangen, der Familienfriede möchte wieder hergestellt, die Geschwister vereint beieinan­der leben. Noch war es nicht soweit. Joseph versteckte beim zweiten Besuch der Brüder einen silbernen Becher im Gepäck von Benjamin, ließ den davonziehenden Geschwistern nachjagen und sie wegen angeblichen  Diebstahls verhaften. Mein Gott, was für eine Aufregung! Ich fieberte förmlich dem Ende entgegen. Joseph würde sich doch wohl nicht billig rächen? Er wollte sicher die Gefühle nur hochkatapultieren, damit die Versöhnung umso großartiger würde...

Meine Erleichterung war grenzenlos, als sich schließlich alle begeistert in die Arme sanken. So, fand ich, so muss das Leben sein: Abenteuerlich, voller Liebe und Leidenschaft, voll Zorn über Ungerechtigkeit und Kampf gegen das Böse, voll packender Ideen und bei allem Realismus immer wieder mal voll paradiesischer Harmonie. Das war und ist ganz nach meinem Geschmack: Pralles Leben, mit allen Höhen und Tiefen, manchmal reduziert und dann wieder unendlich frei, weit. Im Lauf der Jahre entdeckte ich stets neue Züge an der Josephs­geschichte, die mich faszinierten, unwiderstehlich anzogen.

Ich sah eine Mutter, die nicht mehr da war. Einen Vater, der folgenschwer ein Kind vorzog. Seine Unfähigkeit, den Tod der geliebten Frau zu verarbeiten. Die Brüder, die sich der Konfrontation nicht stellen, sondern verdrängen. Joseph, der sich nur mit den Flügeln der Seele einer Prell­bockposition entziehen konnte. Ich fand dargestellt, wie Träume in ihrer existentiellen Bedeutung zu erkennen und zu erfassen sind.

 

Ich las von schweren, qualvollen  Zeiten, die einen reifer und erwachsener aus ihren Fängen entlassen, von Beziehungen, die Arbeit machen und Phantasie erfordern.

Rund fünfzehn Jahre nach meiner ersten Begegnung mit der Josephsgeschichte saß ich mit ziemlich klopfendem Herzen in einem Examen. Es war die schriftliche Sprachprüfung in Hebräisch, der sich junge Theologen und Theologinnen unterziehen müssen. Die Blätter mit den zu übersetzenden Texten wurden ausgeteilt, die Schriftzeichen noch nicht sichtbar nach unten. Auf ein Kommando des Prüfers durften wir die Blätter umdrehen. Zunächst tanzten die Buchstaben wie Derwische vor meinen Augen. Ich zwang mich zur Ruhe und begann zu übersetzen."Da zogen hinab zehn Brüder Josephs, um in Ägypten Getreide zu kaufen."

Ich fasse es nicht und schaue noch einmal hin: Meine Kinder-Lieblingsgeschichte als Prüfungsstoff! Der Stift wetzte über das Papier, drängte sich danach, von Benjamin, dem Becher, den Tränen Josephs und der Wiederken­nungs-Szene zu schreiben. So schnell habe ich nie wieder aus dem Hebräischen übersetzt, so fehlerfrei auch nicht. All meine Zuneigung zu den einzelnen Personen packte ich hinein in den Text, mein Verständnis und Mitleiden, meine Anti­pathie und das Glück eines neuen Miteinanders. So ist es, ich fühle es richtig: "Der Buchstabe tötet - aber der Geist macht lebendig!" ( 2 Kor 3,6).

Sola Scriptura - die Bibel ist ein wundervolles Buch voller Leben. Von Gott inspiriert, von Menschen geschrieben. Es ist Luther zu danken, dass er sich an die unglaubliche Aufgabe gemacht hat, die Heilige Schrift voller Liebe und Aufmerksamkeit ins Deutsche zu übersetzen. Warum er das getan hat? Weil er unbedingt wollte, dass jedes Menschenkind sich ein eigenes Bild machen, selbst den Wortlaut des Alten und Neuen Testamentes erfassen kann. Das ist theologisch wichtig, weil es den zentralen Gesichtspunkt lutherischer Theologie betont: Entscheidend ist die Beziehung zwischen Gott und dem einzelnen Menschen.

Gott spricht mit seinem Wort zunächst das Individuum an, nicht die Institution. Er meint Dich und mich, sie und ihn, natürlich auch uns, euch und sie. Das allgemeine Priestertum bedeutet das Recht, sich lesend und hörend selbständig eine Überzeugung zu bilden und nicht abhängig zu sein von dem Geheimwissen anderer, die damit womöglich ganz eigene Ziele verfolgen. Die Bibel in der Hand eines jeden ist ein Recht. Sie selber studieren und interpretieren zu dürfen, ist aber auch eine verantwortungsvolle Angelegenheit - denn sie verlangt rechtschaffene Konzentration auf den Text und keine Interessen geleitete Beliebigkeit.

Luther hat deutlich gemacht, dass die Bibel kein Steinbruch ist, aus dem man sich nach Gutdünken herausschlagen darf, was einem in den Kram passt. Genauso wenig kann man alles wortwörtlich nehmen, gleichsam für in Stein gemeißelt, was aus der jeweiligen Zeit heraus entstanden ist. Wenn mal wieder jemand, wie derzeit die lettische Kirche, behauptet, Frauen sollten in der Gemeinde besser schweigen, ist das eben nicht Gottes Wirt geschuldet. Jesus selbst ist mit Frauen ganz selbstverständlich und voller Akzeptanz umgegangen, hat sie zu namentlich genannten Jüngerinnen berufen (Lk 8, 1-3).

Was Christum treibet, ist nach Luther Mittelpunkt der Schrift, nicht zeitgebundene Aussagen. Das bringt Dynamik in Glaube und Kirche. Denn das sorgsame Achten auf das, was Christum treibet, hält den einzelnen Christenmenschen und die ganze Kirche auf Trab. Wir sind allesamt semper reformanda, bestens zu verändern und reformieren. Und das Schöne daran ist: Gott hat uns als Menschen erneuerbar geschaffen. Die Organisationen, die wir selber kreieren, sind es sowieso, haben es auch immer wieder nötig. Semper reformanda steht in unseren Bekenntnisschriften: Wir haben stets neu nachzudenken. Zuspruch und Anspruch.

Wem das Wort Gottes anvertraut ist - uns allen - der soll es lebendig weitergeben, verkündigen. Der oder die soll es munter bezeugen: Nicht allein im Gottesdienst, sondern auch en passent oder ganz bewusst im Alltag. Diesen "Drive", diesen Schwung hat Luther ins Leben gebracht. Sola Scriptura für alle bedeutet Gläubige Autonomie des Einzelnen, in der Folge einen munteren Diskurs über individuell gewonnene Einsichten und damit eine Demokratisierung der Kirche. Zugleich, noch einmal, keine Beliebigkeit, denn "einen andern Grund kann niemand legen als den, welcher gelegt ist, welcher ist Jesus Christus" (1 Kor 3,11).